ALTONA IN OSLO – TEIL 2

 In 2. C, Allgemein, Norway Cup

Was bisher geschah: Altonas Deerns sind mit der Fähre zum Norway Cup nach Oslo gefahren. Sensationell hat das Team von Coach Jay den Gruppensieg in der Vorrunde gegen drei norwegische Mädchen-Mannschaften erreicht, nebenbei noch die Oper, einen Skulpturenpark und das Munch Museum besucht. Jetzt wartet das 16te-Finale. Zunächst aber wird im Fjord gebadet…

So, wir schalten jetzt live zu den internationalen Fjordsprungmeisterschaften nach Oslo. Gerade macht sich das Team von Altona 93 bereit. Man hat die Formationsaufstellung eingenommen, den Oslofjord vor Augen, die Oper im Rücken und das Hafenbecken zu Füßen. Im Mittelfeld koordiniert die norddeutsche Arschbombenmeisterin Ella ihre Mannschaft, wir hören mal kurz rein: „Also, Leute, auf drei!“ Es kann jetzt offenbar nicht mehr lange dauern, jeden Moment wird es…
…losgehen! Ja, da stürzt sich das junge Team aus dem fernen Altona mutig nach vorne, allen voran Lina in ihrem markanten roten Sprunganzug, ihre Teammitglieder folgen in nahezu perfekter Juchuu!-Formation, es ist eine Freude, dieser anmutigen und zugleich technisch-anspruchsvollen Kollektivarschbombe beizuwohnen. Und damit zurück ins Funkhaus.
Auch Oslo hat seine Hafencity – die sich bei schönem Wetter in einen sehr entspannten Freizeitfreibadpark verwandelt. Auf sonnenwarmen Holzbohlen wird gechillt, ein Getränk in der einen, eine Zimtschnecke in der anderen Hand. Man vergisst, dass hier schon bald die ersten Herbststürme toben werden. Hier: Altonas Deerns bei einer inoffiziellen Turmsprungmeisterschaft – und Jonna bei ihrer Interpretation der Sprungfigur „Ronaldo-Freistoß mit doppelt gezwirbelter Wrede-Wende.“ Der Teambetreuer allerdings ist so clever, mit neuer Brille auf der Nase in den Fjord zu hechten und ohne wieder aufzutauchen, dwhakb fimdez err du Tastn jez nucht mer so guut…
Ach, wenn es doch bloß einen Wettbewerb für Amateurfußballarchitekturfotografie gäbe, dann hätte dieses Werk mit Namen „Hopsende Dreifaltigkeit in Altona-Outfit vor Opernhaus und grauem Himmel“ sicher eine Chance auf besondere Erwähnung in der Kategorie „Schnappschüsse nach Art des Hauses“. Das neue Opernhaus von Oslo liegt direkt am Hafen und soll an einen treibenden Eisberg erinnern. Fun Fact: Grundsteinlegung für das wichtigste norwegische Bauprojekt der Nachkriegszeit erfolgte 2004, die Fertigstellung war für September 2008 vorgesehen. Die feierliche Eröffnung musste dann allerdings vorverlegt (sic!) werden, weil man ein halbes Jahr früher als geplant fertig wurde. Hamburg und Berlin, hallo, nicht weglaufen…
Einen Abend haben Trainer, Betreuer und Funktionsteam Ausgang, der Turnierveranstalter lädt zu einer Zweimaster-Fjordtour für alle Team-Begleiter ein. Es gibt das typische Wikinger-Picknick: Garnelen und halbe Hähnchen. Deernsitting übernimmt aufopferungsvoll („take one for the team“) Spielerinnen-Vater Hauke. Bei der Rückkehr leuchtet im Hafen das Wahrzeichen von Oslo, das monumental wirkende Rathaus. Hier wird jedes Jahr der Friedensnobelpreis verliehen.
Die Eltern der Deerns dürfen dankbar sein: Ihre Töchter bekommen ein Kulturprogramm verpasst, das locker für die nächsten zwei bis drei Jahre reicht. Hier besucht das Team das Munch-Museum, in dem die bedeutendsten Werke des norwegischen Malers Edward Munch ausgestellt sind. Darunter natürlich auch „Der Schrei“, von dem es vier nahezu identische Varianten gibt. Diese hier wurde vor ein paar Jahren aus dem Museum gestohlen, übrigens von einem arbeitslosen Fußballer, wie in einer Teilausstellung zum Raubüberfall zu lesen ist. Information am Rande: Wann der „Schrei“ gemalt wurde, ist nicht ganz klar. Tatsächlich aber wird vermutet, dass es im Jahr 1893 war… 91, 92, 93, Ed-ward-Munch, Ed-ward-Munch!
Neben den vier bereits erwähnten Varianten des „Schrei“ gibt es noch zahlreiche weitere Interpretationen des berühmten Munch-Gemäldes, die allerdings nicht dem eigentlichen Künstler zugeordnet werden. Was Munch überhaupt im „Schrei“ darstellen wollte, darüber ist sich die Kunstwelt uneins. Die einen vermuten, er habe eine eigene Angstattacke in Szene gesetzt. Andere meinen, hier einen Fan des HSV zu erkennen, der dem Champions-League-Sieg des FC St. Pauli beiwohnt.
Munch und Oper, schön und gut. Vor allem aber reist man ja in die Ferne, um neue Menschen, neue Kulturen, neue Fußballmannschaften kennenzulernen. Immer wieder kreuzen in den Tagen in Oslo die Jerusalem Girls die Pfade der Altona-Deerns, wohnen auch in der gleichen Schule: ein Team aus Palästina, das zusammen mit einer Jungsmannschaft, den Gaza Kids, von weit, weit her aus einem sehr, sehr anderen Leben nach Oslo gereist ist. Doch wie man sieht: Bauernzöpfe gibt es im hohen Norden ebenso wie im fernen Nahen Osten.
Beim Spiel der Gaza Kids gegen eine norwegische Mannschaft feuern die Altona-Deerns gemeinsam mit den Jerusalem Girls das Jungs-Team aus Palästina an. Es ergibt sich eine wunderbare Choreografie, als die Hamburgerinnen „Einer geht, einer geht noch rein“ singen, während eine palästinensische Miniband mit Dudelsack und Trommel den entsprechenden Groove dazu liefert (leider aber verlieren die tapfer rennenden Jungs aus dem Gaza-Streifen mit 3:5). Auch wenn die junge Nachwuchsspielerin mit Schnuller skeptisch guckt: Der Dudelsack – auch Sackpfeife genannt – kommt mitnichten aus Schottland. Erfunden wurde das Instrument vermutlich im frühen Persien vor ungefähr 3000 Jahren.
Freude und Freundschaft über alle kulturellen und sprachlichen Barrieren hinweg – no further words necessary. Obwohl, doch: Man bringt sich gegenseitig hausgemachte Fremdworte bei. Die Deerns wissen jetzt, dass „Jalla Jalla“ soviel wie „schneller, schneller“ bedeutet. Und in Palästina übt jetzt ein Dutzend Mädchen die beiden deutschen Fachvokabeln „Eichhörnchen“ und „Streichholzschachtel“.
Auch wenn der Coach hinter der coolen Brille alles im Blick hat – Altona verliert sein 16tel-Finale tapfer gegen ein Topteam aus dem Umland von Oslo, Gjelleråsen, mit 0:1. Maj im Tor hält championsleaguereif, Louise setzt kurz vor Schluss einen Schuss an die Latte, Jonna einen knapp neben den Pfosten. Die Abwehr um Ella, Ana-Luisa und Tale kämpft, Lina sortiert mit Luna die Angriffe, Lily und Emilia setzen Akzente nach vorn. Es soll nicht sein. Kleiner Trost: Gjelleråsen rauscht durch bis ins Halbfinale, unterliegt erst dort denkbar knapp dem späteren Silbermedaillengewinner Bryne. Gegen diese Erfolgsmannschaft nur 0:1 gespielt zu haben – aller Ehren wert.
Der Himmel über Oslo: Federwolken, die sich zu dramatischen Formationen zusammenschieben, das fast unwirkliche Grün des Rasens, das sich im pastellblauen Firmament spiegelt… Moment Mal. Hallo, der Herr?! Wir erhellen hier gerade unseren von der Muse der Poesie geküssten Geist mit naturphilosophischen Betråchtungen, könnte der Herr Mischa vielleicht und bitte sehr mal aus dem Bild treten? Danke.
Wir dürfen vorstellen: Pepper, vier Wochen altes Ferkelchen und Maskottchen einer Osloer Mädchenmannschaft. Anmerkung: Für diesen Bericht auf der AFC-Deerns-Seite kamen keine Tiere zu Schaden.
Fast wie gemalt: Luna und Lily beim Stretching am letzten Tag der Reise. Weil das Turnier ja schon mit dem 16tel-Finale für das Team aus Altona vorbei ist, wird schnell noch ein Freundschaftsspiel gegen die bayerische Regionalauswahl aus Moosinning vereinbart.
Das Freundschaftsspiel (zwei Mal 30 Minuten mit je einer Trinkpause) gegen die deutlich stärkere Mannschaft aus Bayern ist ein lehrreicher Trainingskick, 1:5 steht es am Ende. In der ersten Viertelstunde fängt sich Altona 4 Gegentore, dann stellt Coach Jay die Abwehr um. Die übrige Dreiviertelstunde geht 1:1 aus. Maj, nun nicht zwischen den Pfosten, erzielt den Ehrentreffer.
Nach dem Freundschaftsspiel treten die Teams erst noch zum Elfmeterschießen an, dann zur Disziplin „Arschballern“. Worum es dabei geht: Bitte ein Deern befragen. Oder den Ball, der gerade von links ins Bild geflogen kommt.
Fußballerinnen dürfen gern auch ein bisschen balla-balla sein…
Coach Jay in der Oper von Oslo. Ein fast prophetisches Bild: Nach dem Norwegen-Trip wird sein Team nicht mehr als D-, sondern als C-Mädchen-Mannschaft spielen.
Abschied von den Freundinnen aus Jerusalem: Obwohl die beiden Mannschaften nie gegeneinander gespielt haben, bekommen die Jerusalem Girls natürlich auch einen von den selbst gebauten Altona-93-Team-Wimpeln (nochmal: danke Lukas!).
Die sportliche Leitung samt Funktionsteam auf dem Schulhof: Jay, Hauke, Mischa, Ilka, Jule, Okka und Philip. Danke noch einmal an alle für eine grandiose, gemeinsame Woche.
Ganz zum Schluss wird es noch einmal spannend: Der für 4 Uhr morgens gebuchte Shuttlebus versetzt das vor dem Schultor wartende Team aus Altona. Um 7 Uhr aber soll der Rückflug nach Hamburg starten. Da ist es schon eine taktische Meisterleistung der Social-Media-Google-Maps-Abteilung im Funktionsteam (danke, Okka, Hauke und Mischa!), die Mannschaft am frühesten Sonntagmorgen mit Linienbussen zum Flughafen zu dirigieren. Dort will man das Team dann schon gar nicht mehr einchecken. Betreuer aber können beharrlich sein… Um halb neun landet die Mannschaft pünktlich in Hamburg. Im Ankunftsbereich warten die Eltern: „91, 92…“

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