2. D besiegt Bergedorf im Baggermatsch

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Wenn Staub seinen Aggregatzustand verändert, dann ist Vorsicht geboten: Denn dann wird zum Beispiel der Sportplatz am Trenknerweg zum Sumpfgebiet. Egal, dachten sich die Deerns der 2.D – und erkämpften sich einen sensationellen 4:3-Erfolg über die „Elstern“ von Bergedorf 85.

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Manch Kunstrasenfreund könnte dieses Bild als ballaballa bezeichnen – echte Grantplatzheldinnen aber werden einfach zu Baggermatschheldinnen.

Es muss wohl so gewesen sein, dass der Fußballgott und der Wettergott am Freitagabend zusammengesessen haben und sich darüber in die Haare bekamen, wie und unter welchen Bedingungen man so Fußball spielen wolle im Frühling 2018. Aus göttlichem Trotz heraus schickte dann der Wettergott das Südskandinavientief „Joi“ über den Norden Deutschlands – und der noch junge Frühling 2018 nahm sich eine Auszeit. Darunter hatten dann die Deerns der 2. D von Altona 93 zu leiden: Der Samstag am Trenknerweg war eine nasse und kalte Angelegenheit. Zum Glück aber redete auch der Fußballgott noch ein Wörtchen mit und legte seine schützende Hand über die regennassen Häupter der Spielerinnen der 2. D. Offenbar hatte er noch etwas gutzumachen bei Altona 93, die 1. Herren zum Beispiel können bei ihrem Taumel in der Regionalliga jedenfalls nicht gerade über zu viel göttliche Zuwendung klagen. Jedenfalls durften die Deerns von Trainer Jay sich über einen fulminanten und ebenso hart erkämpften ersten Sieg in der jungen Saison freuen.

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Alte Grantplatzwahrheit: Das sieht schlimmer aus als es ist. Luna wartet gelassen an der relativ untrockenen “Seitenlinie” auf ihre Einwechslung.

Die Frühlings-Spielzeit hatte ja nicht optimal begonnen am ersten Spieltag Ende März, 0:12 war man im Heimspiel gegen die 1. D aus Pinneberg unter die Räder geraten. War aber auch unglücklich gelaufen gegen den starken Gegner aus dem Umland. Fast der gesamte Altona-Sturm fehlte, und es war das erste Spiel überhaupt der neu im Winter zusammengestellten Mannschaft: 2.D und 3.D waren ja fusioniert worden, um einen zahlenmäßig wettbewerbsfähigen Kader für das 9er Feld zu bekommen. Da sind die Laufwege der Mitspielerinnen natürlich noch so fremd und verwirrend wie die ersten Vokabeln Französisch oder Spanisch oder gar der Ablativ Absolutus (eine kleine Allegorie für all jene jungen Leserinnen, die sich bald mit lateinischen Partizipialkonstruktionen herumschlagen müssen). Überhaupt war es für die Mädchen der früheren 3. D ihr erstes Spiel über das große Feld gewesen, Abseitsregel inklusive. Das ist eben in etwa so eine Umgewöhnung wie der Übergang von der 4. in die 5. Klasse, tous les cas, definitivamente, ave Caesar morituri te salutant!

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Gegen starke Bergedorferinnen – der Verein aus dem Osten Hamburgs hat auch eine Wassersportabteilung – spielte Altonas 2. D beim Heimspiel in der Fango-Erlebniswelt am Trenknerweg flott auf.

Nun also die 1.D des Allgemeinen Sport-Vereins Bergedorf-Lohbrügge von 1885, kurz Bergedorf 85. Die Mannschaft aus Hamburgs Osten hatte in ihrem ersten Spiel der Saison hoch gegen Harburg gewonnen, 7:0. Werden die Bergedorfer „Elstern“ mit ihren traditionellen schwarz-weißen Trikots auch am Trenknerweg Punkte stibitzen? Der Platz ist nach Dauerniesel in der Nacht und feinem Sprühregen am Vormittag, der später in soliden Dauerguss mit vereinzelten Extremschauern übergehen soll, in einem Zustand, den man nur als „Trenknerwegverhältnisse“ bezeichnen kann – wer mag, könnte dazu vielleicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag verfassen… Auf jeden Fall ist’s matschig, matschig, matschig. Zum Glück aber hat der ASV Bergedorf 85 tatsächlich eine Wassersport-Abteilung im Verein, von daher ist von Seiten der Gäste keinerlei Murren zu hören ob der knöcheltiefen Pfützen im Grant. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang sicher auch, dass der Anhang der Altona-Deerns für reichlich Kuchen und Kaffee gesorgt hat, um eventuelle frühmorgendliche Verstimmungen mit Koffein und Zucker zu deckeln. Altonas Abwehrkraft Tale hat sogar selbst einen Kuchen gebacken, mit Schokoladenschriftzug „Altona 93“. Leider sind die ersten Stücke mit dem „A“, der „9“ und der „3“ so schnell verkauft, dass der Berichterstatter kein Foto mehr davon machen kann. Forza-fantastisch, Tale!

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Altonas Lily lässt eine Abwehrspielerin im Regen stehen (Achtung, Doppeldeutung!) und passt zu Louise.

Schiedsrichterin Asli Gök pfeift um kurz nach 11 Uhr an, für Altonas 2. D stehen im Kader: Ella M., Ella W., Fiona, Irma, Juli, Lily, Lina, Louise, Luna, Maj, Mila, Ruza und Tale. Und Bergedorf legt mit dem Anpfiff gleich flott los, drängt Altona in die eigene Hälfte. Oh je, denkt wohl manch Beobachter, wie gegen Pinneberg. Und bereits nach fünf Minuten ist der Ball im Tor von Hüterin Ella M., die nichts gegen einen fulminanten Schuss aus der Bergerdorfer Sturmreihe hat ausrichten können. Oh je, oh je, denkt manch Altonaer Familien-Fan. Aber nur bis zur 6. Minute. Da nämlich sprintet Mila – sie ist vollkommen neu in der Mannschaft von Coach Jay und in ihrem ersten Spiel für die Deerns dabei – durch die Abwehrreihe der Elstern und hämmert den Ausgleich ins Netz. Oh la la, denkt man jetzt im Altonaer Ultra-Block. Vor allem, als Louise in der 18. Minute (ein D-Mädchen-Spiel geht über zwei Mal 30 Minuten) das 2:1 erzielt! Die Führung hält allerdings nur zwei Minuten. In der 20. Minute sorgt ein Missverständnis zwischen Torhüterin und Abwehrspielerin bei Altona für einen eher schmeichelhaften Ausgleich, mit dem es dann auch in die Halbzeitpause geht. Altona aber beweist: Man ist wettbewerbsfähig, kann einem recht starken Gegner wie der 1.D aus Bergerdorf durchaus auch das eigene Spiel aufzwingen. Lilys ballsichere Sprints in die gegnerische Hälfte, das Zusammenspiel von Louise, Mila und Maj im vorderen Spielfeld-Drittel, die ein ums andere Mal die offenbar gut trainierte Abwehrfalle der Bergerdorferinnen austricksen, das starke Mittelfeld um Luna, Lina und Tale, die spieleröffnende Abwehr mit Ella und Juli und der ungestörte Spielfluss, wenn etwa Irma, Fiona oder Ruza eingewechselt werden und sich nahtlos ins starke Spiel einbringen, und nicht zuletzt Ellas mutiger Einsatz im Tor auch bei schärfsten Flanken und Torschüssen – Altona zeigt sich deutlich verbessert im Vergleich zum ersten Saisonspiel.

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Mila beim Eckstoß: Altonas neue Stürmerin übernahm gleich Verantwortung und erzielte auch zwei Tore.

Wiederanpfiff, Altona will mehr. 40. Minute, eine von zwei Schlüsselszenen der zweiten Halbzeit. Maj dribbelt sich über rechts von der Mittellinie bis zum Strafraum, zieht aus vollem Lauf ab, die Torhüterin von Bergedorf kann nur abklatschen. Louise, mit Gespür für den freien Raum, ist mitgelaufen, haut den Abpraller volley unter die Latte: 3:2! Altona wie im Rausch, obwohl Bergedorf gut mithält und oftmals nur an der kamikazehaft aus dem Tor hechtenden Ella scheitert. Dann, zehn Minuten vor Schluss, Schlüsselszene Nr. 2: Mila lauert wieder in der Abwehrreihe von Bergedorf, deren Spielerinnen auf einer wie mit dem Lineal gezogenen und dennoch unsichtbaren Linie auf Abseits spielen, und das fast auf Höhe der Mittellinie. Ella W. schickt einen Steilpass in die Tiefe, Mila sprintet im perfekten Moment los und sieht sich mitsamt Ball allein der Torhüterin gegenüber. Die wird noch gekonnt umspielt, dann der Ball ins leere Tor geschickt: 4:2. Bergedorf kommt zwar noch zum Anschlusstreffer in der 52. Minute, doch Altonas Deerns halten zusammen und schaukeln das 4:3 nach Hause.

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Hey, Ihr habt gewonnen! Put your hands up in the air and wave them like you just don’t care! (James Brown)
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Thank you!

Leider aber ist das Wohlwollen des Fußballgotts an diesem Samstag sehr selektiv verteilt. Die 1.E verlor zu früher Stunde ihr Heimspiel im Trenknermatsch unglücklich mit 0:5, die 1.D ihr mittägliches Heimspiel im Trenknermoor denkbar knapp 1:2 gegen das starke Bramfeld. Immerhin auswärts konnten weitere Punkte für Altona gesichert werden: Die 3.E gewann 5:0 in Wellingsbüttel! Forza.

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