Das gibt’s doch nicht: E-Mädchen im Finale von Felde

Das war nichts für schwache Nerven: In Felde bei Kiel erwiesen sich die E-Deerns von Fritz als echte Turniermannschaft. Spiel um Spiel wurde gewonnen, das Finale erreicht. Und das musste dann im Neun-Meter-Schießen entschieden werden…

Hoch das Ding, und dazu die Fritzfaust: Emilia, Maj, Lily, Lina, Ella, Luna, Louise und Taktikwolf Schönrot jubeln in Felde am Westensee.

Das Leben, es ist nicht immer ein Heimspiel. Das wissen vor allem natürlich die Fußballspielerinnen rund um Taktikluchs (wir wollen den Fuchs als metaphorischen Dienstleister nicht über die Maßen beanspruchen und arbeiten uns daher weiter vor in Brehms Tierleben…) Fritz. Zum Ausklang der aktuellen Saison begab sich ein Mixed-Team aus E1 und E4 auf Gastspiel-Tournee durch Norddeutschland. Am Wochenende zuvor spielte man in Bremerhaven beim Juliane-Harlep-Gedächtnis-Cup auf und wurde Dritter von zehn Mannschaften. Am vergangenen Samstag nun ging die Reise gen Norden nach Felde bei Kiel.

Tabletcomputer aus der Manufaktur Schönrot: Die Redaktion von AFCDeerns durfte exklusiv Einblick in die taktische Aufstellung von Trainer Fritz nehmen…

Hier spielten gleich zwölf Teams, verteilt auf zwei Gruppen mit sechs Mannschaften, um den Pokal beim Turnier der örtlichen SG Felde-Westensee. Und weil das ein so erfreulicher Auswärtstrip wurde, wollen wir uns nun Spiel für Spiel vorarbeiten bis zum Grande Finale de Kikeriki – man möge diese oder jene wirre Formulierung verzeihen, aber der Autor wird noch immer von Euphorie-Schüben heimgesucht. Außerdem wurde sein Wortschatz in den Otto-Waalkes-Achtzigern sozialisiert.

Und hier wird vor dem ersten Spiel gegen Oldesloe die Startformation eingeübt: Fritz spielt mit moderner Viererkette – im Sturm.

1. Gruppenspiel: Altona 93 vs. VfL Oldesloe

Was sagt der angereiste Lokalpolitiker in seiner Begrüßungsrede? Regen gäbe es nicht, nur flüssigen Sonnenschein. Demnach scheint die Sonne gleich zu Beginn des Turniers brutalst aus grauen Wolkenschleiern heraus. Doch Fritz – der Mann, für den die kurzen Hosen erfunden werden müssten, gäbe es sie nicht schon – ist ja die gelebte Wetterfestigkeit. Entsprechend ungeniert gehen auch seine Deerns im steten Nieselsonnenschein zu Werke.

Gazelle Lily sprintet in der Spielhälfte von Oldesloe gen Tor.

Mit Verstärkung aus der Region: Weil nur sieben Mädels (Ella, Emilia, Lily, Lina, Louise, Luna und Maj) aus Altona angereist sind, und sieben müssen zugleich auf dem Feld stehen, stellt der gastgebende Verein für jedes Spiel der A93-Deerns eine Spielerin ab. Das ist mehr als nett: Allein fünf Vorrundenspiele mit einer Dauer von je 13 Minuten ohne Auswechslungsspielerin zu bestreiten wäre ein Wagnis, und dann noch mögliche K.O.-Runden… Für die erste Begegnung gegen den VfL Oldesloe ist es Annelie von der SG Felde-Westensee, die sofort in ein schwarz-weiß-rotes Ersatztrikot mit der Nummer 6 schlüpft, nur noch ihre gelbe Stutzen und die blaue Hose verraten ihre wahre Herkunft.

Nein, das ist kein Minion im 93-Trikot. Das ist Trikotwechsel Felde-Style: Annelie, Spielerin vom Gastgeber, wurde dank eines ultrakurzfristigen Leihgeschäfts zu einer Altona-Deern.

Das Spiel gegen großgewachsene Gegnerinnen geht flott los: In der zweiten Minute wird Louise gefoult, Strafstoß. Doch Emilia knallt das Runde übers Eckige. Minute 8: Maj zieht ab, doch die Torhüterin aus Oldesloe hält Neuer-mäßig. Minute 10: Louise schießt knapp übers Gehäuse. Minute 11: Emilia erlöst Mannschaft, Trainer und Funktionsteam (Mütter, Väter, Großeltern): 1:0! 12. Minute, Gegenangriff: strammer Schuss, Tormädchen Lina ist zur Stelle. Erstes Spiel gewonnen. Und auch Annelie ist zu ihren Spielminuten in Diensten von Altona gekommen, fügte sich perfekt ins Kurzpass-Tikitaka-One-Touch-Spiel der Deerns vom Trenknerweg ein.

Lily und Louise gehen unter norddeutschem Sommerhimmel zum Angriff über, Luna sichert im Mittelfeld ab.

2. Gruppenspiel: Altona 93 vs. TSV Rundhof-Esgrus

Fünf Minuten vor Anpfiff erfolgt die prompte Lieferung: Gastspielerin Charlotte. Trikot drüber, fertig ist das neue 93-Deern. Anpfiff, Anstoß, Lily stößt nach vorne durch, Schuss, Tor: 1:0. Lily, schnellste Deern von Altona, jetzt auch verlässlich schnellste Schützin vom Dienst. Zwei Minuten später erhöht sie auf 2:0. Die Gegnerinnen aus der Nähe der Geltinger Bucht an der Ostsee sind überfordert mit der steifen Brise aus Altona. Lina, jetzt im Sturm, erhöht bis zur 5. Minute auf 4:0, Gastdeern Charlotte schießt an den Pfosten, Louise erzielt in Minute 7 das 5:0. Trainer Fritz, als E-Coach diese Saison eher an viele Gegentore gewöhnt, nimmt Tempo heraus, will die Mädels von der Küste nicht zu heftig mit Treffern versorgen. Ella und Luna sortieren geschickt Abwehr und Mittelfeld, fabrizieren feine Pässe. Es bleibt aber beim 5:0.

Tribüne to go: Spielerinnen-Mutter Kerstin hatte in weiser Ahnung an Campingstühle gedacht. Fassungsvermögen pro Stuhl: 2 Deerns.

3. Gruppenspiel: Altona 93 vs. VfL Pinneberg

Oh je, dachten die Deerns schon beim Einchecken in Felde, als ihnen als erstes die bekannten Gegnerinnen aus der Kleinststadt über den Weg liefen. Doch diesmal läuft alles anders. Mit Gastmädchen Eva aus Westensee geht es flott ins Spiel. Emilia startet in der Anfangsphase zwei Mal ihre mittlerweile in Norddeutschland berüchtigten Flankenläufe über Rechts. Eine Flanke verwandelt Eva, kurz nach ihrer Einwechslung in der 5. Minute, direkt mit einem Kracher ans Lattenkreuz. Dann Louise: ebenfalls ans Kreuz. Das Team kämpft. Luna erobert manchen Ball der dribbelstarken Pinnebergerinnen, schickt dann Louise in der 8. Minute genial steil in die Schnittstelle zwischen Abwehr und Mittelfeld, Pass auf Maj, die tanzt noch eine Weiß-Blaue aus, Schuss, 1:0! Ja, was ist denn hier los? Das Spiel wogt hin und her, der Wind bläst feuchte Böen über den Westensee, Torhüterin Lina aber steht fest und stur wie Käpt’n Ahab im Fünf-Meter-Raum und fängt jeden Ball, der aufs Tor kommt. Sensation, Altona schlägt Pinneberg 1:0, und das hoch verdient.

Altona hatte im Nieselwetter die Schirmherrschaft der Turnier-Gruppe A übernommen, war am Ende Gruppensieger.

4. Gruppenspiel: Altona 93 vs. TuS Tensfeld

Mit Leihgabe Liesbeth geht es gegen einen starken Gegner aus dem Kreis Segeberg. Schon bei den vorherigen Begegnungen der Tensfelder war zu sehen: Die Spielerinnen mit den Nummern 27 und 11 sind höchst gefährlich. Fritz, Taktikpuma, der er ist, lässt beide doppeln – und das zahlt sich aus. Nach einem ersten Versuch der Schleswig-Holsteinerinnen, den Tormädchen Maj auf der Linie neutralisiert, wuchtet Emilia einen Wahnsinnsschuss an den Pfosten. Dann in Minute 6 eine Ecke für Altona, Getümmel vorm Tensfelder Tor, Pfosten, Gestocher, Tor! Louise hat den Fuß hingehalten und den Ball ins Netz bugsiert: 1:0. Ein dreckiges Tor, auch das darf mal sein. In Minute 10 erhöht sie sogar auf 2:0, diesmal mit einem sauberen Fernschuss neben den linken Pfosten.

Torwarttraining: Chefcoach Fritz höchstpersönlich spielt Maj vor ihrem nächsten Einsatz warm.

5. Gruppenspiel: Altona 93 vs. SG Felde-Westensee

Jetzt bekommt Altona eine Ersatztorhüterin gestellt – Mia aus der zweiten Mannschaft der SG Felde-Westensee schlüpft ins 93-Trikot und kämpft gegen ihre Freundinnen aus der ersten Mannschaft. Fritz aber erklärt sie zur Mittelfeld-Auswechselspielerin, was sie sichtlich freut: Mal selbst aufs Tor schießen… Die Uhr zeigt 13.20 Uhr an, die Pommes (zehn Portionen rot-weiß) sind im Vereinsheim für die Pause nach den Gruppenspielen bereits bestellt, da zeigt sich zum ersten Mal an diesem feuchten Tag die richtige Sonne. Doch das ungewohnte Licht scheint die Deerns von Fritz kurz zu irritieren, in der 6. Minute schießt der Gastgeber das 1:0. Dabei bleibt es. Kurz vor Schluss zirkelt Emilia noch einen fulminanten Freistoß nach Foul an Lily knapper als knapp neben den Pfosten. Aber wenn Altona einer Mannschaft einen Sieg gegen sich gönnt, dann Felde-Westensee, der Heimat aller Leihspielrinnen bei diesem Turnier. Vor allem, weil auch diese Niederlage nichts daran ändert: Altona ist Gruppensieger, steht im Halbfinale!

 

Hat jemand den Ball gesehen? Ella, Louise, Maj und Lily im Spiel gegen Motor Minion, ach was, natürlich Felde-Westensee, in gespannter Erwartung des heranfliegenden Spielgeräts.

Halbfinale: Altona 93 vs. TSV Kropp

Schon wieder Halbfinale! Bereits am Wochenende zuvor waren die Deerns unter den letzten vier Teams des Turniers, mussten sich aber in einem fragwürdigen Spiel (mehr dazu auf dieser Deerns-Blog-Seite) letztlich geschlagen geben und eroberten Platz 3. Nun also erneut der Kampf um die Finalteilnahme, mit Unterstützung von Gast-Deern Hannah geht es gegen die E-Mädchen des TSV Kropp aus dem Kreis Schleswig-Flensburg. Und die offenbaren interessante Rückennummern: 91 bis 98, warum auch immer. Es soll ein dramatisches Spiel werden. Erste Minute: Lily mit einem Fernschuss, knapp drüber. Minute 2: Lina nimmt einen Abschlag von Torkollegin Maj auf, Fernschuss, ebenfalls drüber. Minute 4: Getümmel und Gerangel im Altonaer Strafraum. Wo ist der Ball? Da wo er hingehört, in den Armen von Maj. Minute 5: Emilia setzt den Ball an den rechten Pfosten, wieder kein Tor. Aber in der 8. Minute: Louise schmerzlos aus kürzester Distanz: 1:0. Und dabei bleibt es – vorerst bis zur 12. Minute. Kropp über rechts, Schuss aufs Tor, Maj klatscht zur Seite ab, der Ball rollt übers nasse Grün, bleibt auf der Torauslinie liegen, Zentimeter neben der Strafraumgrenze. Alle stürzen hin, Maj ist zuerst da. Aber was tun? Mit der Hand geht ja nicht. Die Synapsen glühen im Oberstübchen der jungen Torhüterin, das ist selbst aus der Ferne zu spüren. Schließlich zimmert sie den Ball Richtung Seitenauslinie, wo aber schon ein Kropp-Mädel wartet. Lina hechtet als Feldspielerin ins Tor, Maj eilt ebenfalls zurück, da haut die Kroppspielerin bereits am Sonnabend einen Sonntagsschuss heraus, Wahnsinn. Aus 20 Metern senkt sich der Ball in Richtung Tor, senkt sich, senkt sich – und knallt gegen den Pfosten. Spiel vorbei, Abpfiff, 1:0 – Altona im Finale!!

Der entscheidende Neunmeter: Lily schießt im Prinzip perfekt und unhaltbar oben ins Eck. Nur leider weicht das Tor kurz aus, der Ball fliegt knapp am Pfosten vorbei.

Finale: Altona 93 vs. JSG Hohwachter Bucht

Ja, so ein Finale schreibt seine eigenen Geschichten. Auch hier und heute. Der Gegner ist stark: Bei der JSG Hohwachter Bucht spielen die Mädchen von gleich fünf Dorfvereinen aus der Holsteinischen Schweiz, die keine eigenen Jugendabteilungen haben, und zwar: VfL Schwartbuck, TSV Hessenstein, SV Knudde 88 Giekau, SC Kaköhl und TSV Dannau. Insofern aber ist die Jugendspielgemeinschaft Hohwachter Bucht tatsächlich eine Best-of-Nord-Östliches-Schleswig-Holstein-Auswahl. Die Altona-Deerns, mit Unterstützung von Westensee-Eva, sehen sich auch sofort einem Angriff nach dem nächsten ausgesetzt. Lina im Tor aber hält bravourös, selbst als in Minute 6 eine Hohwachterin alleine mit Ball aufs Tor zurennt und Lina geschickt den Winkel verkürzt. 9., 10., 11. Minute: Lina im Mittelpunkt, Altona kann sich kaum befreien. Hält aber das 0:0. Abpfiff, Neunmeterschießen. Als erste Schützin für Altona: Louise. Ball unter die Latte, Tor, 1:0. Hohwacht trifft ebenfalls unhaltbar ins Eck, 1:1. Emilia tritt an, schießt oben links in den Winkel: 2:1. Hohwacht gleicht aus, 2:2. Dann Lily, die zuletzt so viele wichtige Tore für Altona schoss: Strammer Schuss, knapp neben den Pfosten. Das ist Pech. Aber wird Hohwacht die Nerven haben und verwandeln? Die letzte Schützin tritt an, schießt – der Ball schlägt unhaltbar halbhoch im Netz ein. Hohwacht ist Sieger, Altona Zweiter. Die Deerns sind bereits nach drei Sekunden über diese letzte dramatische Niederlage hinweg. Es gibt einen riesigen Pokal für den größten Erfolg der jungen E-Mannschaft von Coach Fritz, dem alten Taktikbären. Die Sonne scheint. Heimfahrt nach Hamburg. Stau auf der A7. Egal. Forza!

Das ist der mit Abstand größte Pokal, den die E-Deerns von Fritz bisher in ihrer jungen Sportkarriere in die Höhe stemmen durften.
Ausleihauswechselspielerin Hannah wartet im Deerns-Ersatztrikot beim Halbfinale auf ihren Einsatz: Und natürlich brachte sie Fritz kurz darauf.
Parallel fand auf der Sportanlage von Felde noch ein D-Mädchen-Turnier statt. Und die hatten eine ganz besondere Unterstützung in Gelb-Blau dabei.
Wir sind Pokal! Maj, Ella und Louise freuen sich sogar spiegelverkehrt in der blankgeputzten Trophäe.