E1-Deerns: Tapfer gekämpft, hoch verloren

0:12… Ja, auch klare Niederlagen gehören zum Fußball. In der Bundesliga wie in der Juniorinnen-Kreisklasse. Altonas E1-Deerns mussten am Sonntag ein Dutzend Gegentore an den Füßen des Mount Hasselbrack in Neugraben-Fischbek beim Auswärtsspiel gegen Süderelbe hinnehmen.

Achtung vor freilaufenden Treckern: Die E1 von Altona war zu Besuch am grünen Rand Hamburgs.

Es ist ja so: Noch nie in der Geschichte des Fußballs gab es ein Spiel, bei dem beide Mannschaften als Sieger vom Platz gegangen wären. Das Gesetz der Realität lautet: Schießt ein Team ein Tor, hat sich im selben Moment die andere Mannschaft ein Tor eingefangen. Das ist so sicher gegeben wie die Erdanziehung oder die lange Schlange bei den Eisprinzessinnen an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Am vergangenen Wochenende mussten sich gleich drei norddeutsche Traditionsmannschaften mit der Brutalität dieses Gesetzes auseinandersetzen: Wolfsburg (0:6 gegen Bayern München), HSV (0:4 gegen Augsburg) – und die 1.E Deerns von Altona 93, die 0:12 auswärts bei den 1.E-Mädchen von Süderelbe verloren.

Morgens um Viertel nach acht war die Welt noch in Ordnung: Coach Fritz leitet das Aufwärmtraining der E1-Deerns auf dem Kunstrasenplatz des FC Süderelbe..

Es gibt sie halt, diese Tage. Tage, an denen einem das Schicksal ins Gesicht lacht. Gerade im Fußball. Da wirft man sich in jeden Ball, da kämpft man und läuft, bis die Wangen ferrarirot leuchten – doch die andere Mannschaft ist besser und schießt die Tore. Trainer Fritz Schönrot und seine tapferen Deerns erlebten am Sonntag so einen Tag. Ella, Juli, Maj, Luna, Emilia, Lina, Lily und AFC-Neuzugang Tale in ihrem ersten Punktspiel waren in frühester Morgenstunde ans andere Elbufer gependelt. Die Voraussetzungen schienen optimal: Sonne, blauer Himmel und ein wunderschön in den Schwarzen Bergen von Neugraben-Fischbek gelegener Kunstrasenplatz, auf dem sonst auch die Oberliga-Männer des FC Süderelbe ihre Punktspiele austragen. Kieferwälder, lustig zwitschernde Morgenvögel, ein Reh am Waldesrand… Allein, die Romantik war trügerisch. Auf einen minutiösen Spielbericht wollen wir an dieser Stelle daher auch verzichten.

Deern Maj im Duell mit der Mittelfeld-Regisseurin von Süderelbe. AFC-Neuzugang Tale eilt zur Unterstützung herbei, im Hintergrund sichert Ella die Abwehr.

Nur soviel: Die Mädchen von Süderelbe hatten zwei Wunderstürmerinnen in ihren Reihen, Zwillinge wohl, die zusammen neun von den letztlich erzielten zwölf Toren schossen. Altonas Tormädchen (Lina wie gewohnt in der ersten, Maj in der zweiten Halbzeit) waren gegen das Tiki-Taka-Spiel des brillanten Duos ebenso machtlos wie Abwehr, Mittelfeld und Sturm unserer E1-Deerns. Obendrein musste Lily bereits in der ersten Halbzeit verletzt ausscheiden, sie war gestürzt und unglücklich auf die Hand gefallen. Auch die Angriffsbemühungen von Emilia waren an diesem Tag angesichts einer kompakt stehenden Abwehr nicht von Erfolg gekrönt. Selbst als die Sonne über den nahen Hasselbrack stieg, mit 116 Metern Höhe Hamburgs alpinste Erhebung, und die Gesichter im AFC-Familienfanblock wärmte: die Süderelbe-Mädchen schlossen trotzdem mit kühler Präzision Angriff um Angriff mit einem Tor ab.

Duett im Mittelfeld: Lily erobert den Ball, den Juli der Gegenspielerin gerade vom Fuß gespitzelt hat.

Dabei kämpften die AFC-Deerns tapfer bis zum Schluss und ließen nicht die Köpfe hängen: Juli und Ella unterbanden energisch so manchen weiteren Angriff, Luna ackerte auf ihrer rechten Seite rauf und runter, und Tale, mangels E1-Auswechselkontigent als Verstärkung aus der E4 dazu geholt, erzielte mit einem Schuss aus der zweiten Reihe fast ihr erstes Punktspieltor. Aber ach, es sollte nicht sein.

Ein Mann, zwei Hütchen: Während die Spielfeldbegrenzung bunt daher kam, zeigte der Schiedsrichter der Partie seine Vorliebe für einen eher behaglichen Retro-Look.

Man muss sagen: Hamburgs südwestlichster Stadtteil ist offenbar ein feines Biotop für außergewöhnliche Talente. So stammte zum Beispiel auch die langjährige HSV-Bundesligaspielerin Friederike Engel, 2006 zudem U-19-Europameisterin, vom FC Süderelbe. Tja, vom Dort-und-damals zurück ins Hier-und-jetzt: Am Ende musste Coach Fritz Schönrot seine geknickten, abgekämpften Deerns mit bekannten, wahren Worten aufbauen: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und auf das 0:9 gegen Blankenese zu Saisonbeginn ließen die E1-Deerns ja einen Heimsieg gegen Lieth/Holsatia folgen… Als nächstes kommen die Mädchen von Barmbek-Uhlenhorst an den Trenknerweg. Taktikfuchs Fritz bastelt schon am Spielkonzept.

Das ist echte Fußballliebe: Wenn man 5 Minuten nach Abpfiff einer 0:12-Klatsche schon wieder lächeln kann. Forza, E1!